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ULI CHRISTENN
Erstes Kapitel aus dem Roman Marshall Mathew, Shaolin Sanda und die Maßnahme |
| "Das ist doch völliger Schwachsinn!", mault Marshall Mathew. "Zeitverschwendung. Bringt doch alles nichts. Bis wir diese schwachsinnigen Berichte ausgedruckt haben, sind die schweren Jungs und Mädels schon wieder auf freiem Fuß. Und drehen das nächste Ding. Verarsche ist das. Schikane." Lustlos klickt die Maus. Nun, eigentlich ist es der Zeigefinger, der lustlos klickt. Und noch ureigentlicher residiert das Zentrum der Lustlosigkeit irgendwo in den Hirnlappen von Mathew Dechant. Marshall von Neukölln. Laut Selbstauskunft. Kommissar der Berliner Mordkommission. Laut Personalakte. Mit Dienstwaffe im Schulterhalfter. Nicht an der Hüfte. Shaolin Sandra schweigt. Konzentriert sich auf ihre Atmung. Konzentriert sich auf ihre Arbeit. Weiß, dass sie das Pensum ihres Partners mit erledigen muss. Wenn der nicht will, dann will er nicht. Da helfen keine guten Worte. Und Dienstvorschriften erst recht nicht. Das ist halt so. Das Tao des Lebens. Ändere, was Du ändern kannst. Und lebe mit dem Rest. Kann man in jedem beliebigen Schmöker aus der Esoterik-Buchhandlung nachlesen. Oder auf den Psychologie-Seiten in Spiegel oder Brigitte. Und den Marshall ändert keiner mehr. Der ist so, wie er ist. Also fügt Sandra sich in ihr Schicksal. Akzeptiert es, umarmt es und beginnt, es zu lieben. Nimmt sich ein Beispiel an Generationen Buddhistischer Mönche, die, mit religiöser Innbrunst, einen blitzblanken Fußboden scheuern. Nein, sinnlose Arbeit gibt es nicht. Nur sinnloses Genöle: "Warum schaffen Sie nicht einfach den ganzen Polizeiapparat ab. Wenn wir das Gesocks nicht einfangen, müssen die es nicht wieder laufen lassen. Auf Bewährung, Arbeit statt Strafe, oder sonstigen schwachsinnigen Mist. Die lassen sich bestimmt immer wieder was Neues einfallen. Die Damen und Herren von der..." "Du bist Kriminalbeamter, Mathew!" Schluss jetzt. Schluss mit Tao, mit fernöstlicher Gelassenheit. Die Berliner Göre erringt die Mehrheit in Sandras innerem Parlament. Umsonst, die unzähligen Workshops. Die Stapel von Fachliteratur. Das unermüdliche Arbeiten am eigenen Selbst. Alles wie weggeblasen von der aufgeblähten Selbstgerechtigkeit ihres Kollegen. "Kriminal-BEAMTER!", säuselt sie süffisant. "Und du hältst doch immer Vorträge über das Wesen deutschen Beamtentums. Richte dich, ausnahmsweise, selber danach, mein Lieber." Der Marshall senkt den Blick, nuschelt unartikuliert in seinen Knebelbart. Nuschelt: "Sesselpuper", nuschelt: "In einen Sack schmeißen", nuschelt: "Unverschämtheit!", nuschelt: "Bieten lassen", und sagt dann: "Ich geh eine rauchen!" "Schon wieder? Und höchst wahrscheinlich brauchst du wieder eine halbe Stunde, hab ich Recht?" "Fünfundzwanzig Minuten. Zehn Treppen runter. Fünf Zigaretten. Zehn Treppen hoch!" "In zehn Minuten die Treppe hoch? Das schaffst du nie!" "Durchschnittswerte. Runter geht schneller als rauf. Aber ist schon ziemlich hektisch, das Ganze. Der Genuss bleibt da auf der Strecke. Ja, du hast recht. Eine halbe Stunde wird es schon dauern. Jetzt guck nicht so gequält. Ihr Nichtraucher wolltet es doch so haben. Vor einem halben Jahr hätte ich kurz das Fenster aufgemacht, mich auf die Heizung gesetzt und gemütlich ... Aber vorbei. Geht nicht mehr. Gratuliere. Ihr habt gewonnen." Marshall Mathew wuchtet sich aus dem Sessel. Und die Lawine von einhundertzwanzig Kilo Lebendgewicht, ohne Gürtelschnalle, Boots und Stetson, donnert unaufhaltsam Richtung Treppenhaus. Lässt sich vom Telefonklingeln nicht irritieren und beantwortet einen diesbezüglichen Hinweis der Kollegin lakonisch mit: "Geh halt ran!" Nun, Lawinen gehören zu den Naturereignissen, denen man sich lieber nicht in den Weg stellen sollte. Tut man es trotzdem, oder ist man, wie es zum Beispiel bei Immobilien der Fall ist, nicht flexibel genug, termingerecht den Weg frei zu machen, wird man gnadenlos überrollt. Naturereignis wird Naturkatastrophe. Erfahrene Taoist Innen machen diesen Fehler nicht. Die sind biegsam wie ein Grashalm in der lauen Morgenbrise. Auch Shaolin Sandra. Die beugt sich nach vorne, greift zum Telefonhörer und keift: "Was ist denn jetzt schon wieder?" Das Naturereignis Mathew hat indessen die Tür zum Treppenhaus erreicht, reißt diese schwungvoll auf und macht sich lautstark an den Abstieg. Die Lärmentwicklung wird verursacht einerseits vom Schuhwerk des Ermittlungsbeamten - einem Schuhwerk, das ersonnen wurde, Rinder jagenden Kuhhirten im Steigbügel bestmöglichen Halt zu bieten, aber für ausgedehnte Fußmärsche in behördlichen Treppenhäusern allenfalls die zweite oder dritte Wahl darstellt und entsprechend gegen die brutale Zweckentfremdung lautstark protestiert - andererseits vom Protestieren des Schuhträgers selbst, der die Themen Arbeit, Beamte und Nichtraucher noch nicht abschließend zu Ende diskutiert hat. Unermüdlich monologisierend, von Stockwerk zu Stockwerk, von Treppenabsatz zu Treppenabsatz trampelnd fingert er eine Marlboro aus dem Softpack, das ihm, wie immer, in der Brusttasche seines Flanellhemdes, geradezu am Herzen liegt. Die Zigarette wird in die geschürzten Lippen geschoben. Am Filter derselben beginnen Mathews Zähne alsbald zärtlich zu knabbern, während sein rechter Daumen nervös den Deckel des Zippos auf und zu schnappen lässt. Das Naturereignis Lawine Marshall Mathew erreicht den Hinterausgang, erreicht den Ort, wo das Gebirgsmassiv des Treppenhauses in die weiten Plains des Besucherparkplatzes mündet, wo am fernen Horizont schemenhaft die unwirtliche Wüste der Sozialbauten lauert. Brutstätte von Nattern und Geiern - no Go Area für jeden überlebenswilligen Menschen. Und an jenem magischen Ort, die Bedrohung ist zu sehen, aber zu weit entfernt, um unmittelbar gefährlich zu sein, hat ein findiger Kopf eine Oase der Ruhe und Einkehr, der Meditation und Andacht geschaffen. Vom Parkplatz durch eine Brüstung getrennt - eine Brüstung, die, auf Grund ihrer Höhe, durchaus, und in Ermangelung des Originalprodukts noch durchausiger die Funktion von Sitzmöbeln übernehmen kann - nur zwei Schritte hinter der Türe, vor Wind und Wetter durch das darüber liegende Stockwerk nur unzureichend geschützt, steht ein Aschenbecher und markiert die Raucherecke des Präsidiums. Sanduhrförmig ist er. Je nach Wetter gefüllt mit kippendurchsetztem Sand der einer braunen nikotinverseuchten Brühe, die selbst die Crossantdegenerierten Spatzen der Hauptstadt nicht einmal aus Versehen, nicht einmal unter Drogeneinfluss, mit einer Vogeltränke verwechseln, obwohl die äußere Form des Behälters diesen Irrtum durchaus entschuldigen würde. Die lieblos betongrauen Seiten des Suchtaltars hat ein ästhetisch empfindender Mensch durch bunte Wandmalereien verschönert. "ZEN ist doof!", steht da zum Beispiel. Oder: "Meditieren kannst du nach Dienstschluss. Du ausgesprochen selten dumme Nuss!" Oder, geradezu philosophisch: "Tao ist Opium für den Volker!" Die Lawine plumpst auf die Brüstung, das Zippo zündet, der Marshall saugt, die Tür, kaum geschlossen, fliegt wieder auf. "Mord in Lichtenberg!", keucht Shaolin Sandra. "Wir müssen dein Auto nehmen. Meins ist in der Werkstatt. Na, was ist? Los gehts!" "Die Autoschlüssel liegen auf dem Schreibtisch!", knurrt der Marshal und widmet sich seiner Zigarette mit plakativer, publikumswirksamer Hingabe. "Bleib sitzen!", stöhnt Shaolin Sandra. "Ich geh schon." Und Mathew, stiernackiger Götze der Trägheit, massiges Monument der Tatenlosigkeit, von ora et labora unwiderruflicher getrennt als? von Leander beschließt, wie schon so oft in ähnlichen Situationen, nicht über die Fertigkeit seiner Partnerin nachzudenken, offensichtliche Selbstverständlichkeiten blumenreich in Worte zu kleiden. Der Pick up prescht über die Oberbaumbrücke ins ehemalige Grenzland. Erreicht die Boomtown Friedrichshain. Bunte, imposante Fassaden vor Nissenhütten. Saloon reiht sich an Saloon, Pferdetränke an Pferdetränke, Spätkauf an Spätkauf auf der schlammigen Simon-Dach-Straße. Frontier Town. Aus dem Boden gestampft auf dem Weg nach dem Westen, der ein Osten war. Eroberungsfeldzug, Kreuzkrieg der Zivilisation. Bollwerk des weißen Mannes. Potemkin goes West. And grows with the country. Und irgendwann wird er erwachsen. Und hinter den Fassaden wird wirklich renoviert. Mit Steinen und Mörtel. Nicht nur mit Rigips und Pressspan. Wenn die Spaßgesellschaft gekommen sein wird, um zu bleiben. Wenn die Kinderwagen die Hunde verdrängen, auf den Trails und der Treck weiterzieht, dem El Dorado des Vergnügens entgegen, den Goldminen des Zeitgeistes, dem kreativen Urschleim bezahlbaren Wohnraums. Dann wird aus der Westernstadt eine Kleinstadt werden, oder eine Metropole, oder eine Geisterstadt, von der glorreichen Vergangenheit schwärmend, abgegrast von Generationen schnelllebiger Heuschrecken. Legende, Mythos, Disneyworld. Wie es in Mitte der Fall war, oder im Prenzlauer Berg. Und ist Berlin nicht ein kleines Amerika, ein eigener Konti-nent, ein Atlantis, überschwemmt, übervölkert von Fluten, die ihre Freiheit su-chen? Ihre Freiheit, ihr Glück, ihren Reichtum, ihren Spaß? Ein Schmelztiegel der individuellen Bedürftigkeit, Projektionsfläche der machbaren Unmöglichkeit. Überschwemmt, übervölkert, ohne wirklich unter zu gehen. Permanenter Phönix. Permanente Asche. Ewiges Feuer. Ewiges Licht. Spiritus of the Frontier. "Ich bin ja schon froh...", sagt Frau Kowalski und tappt in die Multitaskingfalle. Opfer der femininen Fähigkeit gleichzeitig zu reden und zu denken. Und sind die Muskeln und Sehnen, die Nervenenden und Synapsen für eine Tätigkeit besser trainiert, routinierter, oder einfach von Natur aus schneller als für die Andere, kann es dazu kommen, dass die Worte den Mund schon lange verlassen haben, wenn das Gehirn meldet: "Stopp! Besser Klappe halten!". "Ich bin ja schon froh, wenn sie sich nicht gegenseitig umbringen", sagt Frau Kowalski, sagt es, hört es, versteht es und beginnt augenblicklich, es zu bereuen. Marshall Mathew aber, ein Gary Cooper der Merkel Ära, ein John Wayne der Postmoderne, ein Sir Ivanhoe des Cyperspace, ein Tannhäuser des Postfeminismus, Marshall Mathew, ganz Gentleman der alten Schule, tut einfach so, als habe er nicht zugehört. Die Rechner sind hoch gefahren. Der Kaffee dampft. Sandras Hirn auch. Selbst Marshall athew drischt hingebungsvoll ein auf die Tastatur. Abschlussbericht. Erfolgsmeldung. Der Mörder ist ermittelt, eingefangen und sicherungsverwahrt. Geständnis liegt vor. Also kein Indizienprozess, kein Fieselkram, kein Hindernis-Parcours übersehener Kleinigkeiten, falsch gezogener Schlüsse, dummer Zufälle, die jeder erstsemestrige Praktikant der Jurisprudenz mit der Zauberformel "In dubio pro reo!" mühelos vom Tisch wischen kann. Nein! Geständnis. Freiwillig. Nach mehrmaligem gutem Zureden freiwillig, schließlich leben wir in einem Rechtsstaat, aber ein Geständnis, immerhin. Der Staatsanwalt würde seine Freude haben. Mord. Vorsätzlich und aus niederen Beweggründen. Aus unteren Beweggründen. Aus Drängen des Unterleibs. Schwanzgesteuerte Dynamik. Ursprünglich. Dann auch gekränkte Eitelkeit. Sicherlich. Und Existenzangst. Hätte einen ganz schönen Wirbel gegeben, wenn das an die Öffentlichkeit gekommen wäre. Die Karriere wäre im Arsch gewesen. Selbst dieses bescheidene, auf das absolute Minimum der Möglichkeiten reduzierte Laufbähnchen, dieser Bummelzug, regional, hinterste Provinz, wäre auf dem Schrottplatz der zerschossenen Träume gelandet. Unreperabel, nicht recyclebar. Das hätte keiner mehr kitten können. Das Berufsleben wäre beendet gewesen. Unehrenhaft entlassen. Ruf ruiniert. Und geniert hätte er sich auch, höchstwahrscheinlich zu Tode geschämt. Da kommt es auf einen Mord mehr oder weniger nicht an, wird er sich gedacht haben. Macht doch keinen Unterschied. Megakatastrophe oder Gigakathastrophe. In diesen Größenordnungen spielt das keine Rolle mehr. Und die Kränkung, die Zurückweisung. Ein Samurai hätte in so einer Situation Selbstmord begangen. Aber Samurais geraten nicht in solche Situationen. Die haben ihr Gefühlsleben im Griff. "Und was ist mit meinem Gefühlsleben?", denkt Shaolin Sandra. "Bin ich stolz auf den Erfolg. Bin ich ungerechtfertigter Weise stolz. Bin ich überheblich? Eigentlich haben wir nur Glück gehabt. Das wird den Lobeshymnen des Staatsanwalts allerdings keinen Abbruch tun. Den interessiert nur das Ergebnis. Und das liegt vor." Shaolin Sandra konzentriert sich auf ihre Atmung. Konzentriert sich auf ihre Bedeutungslosigkeit, auf ihre Rolle als Staubkorn, angesichts der Unendlichkeit von Raum und Zeit. Tiefen Frieden findet sie. Oneness mit dem Kosmos findet sie. Satori findet sie. Tief im Solarplexus, Im Ha Ra Punkt. IWo Wärme pulsiert, sich zentriert, sammelt, langsam, durch die Chakren nach oben steigt, sich intensiviert, um dann, als gewaltige Eruption, als Vulkanausbruch gigantischen Ausmaßes, aus ihrem Mund zu fahren: "Mach die verdammten Lautsprecher aus, Mathew!", brüllt sie. "Die Ballerei macht mich wahnsinnig." |
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JANA GIULIETTA IRDEDie Erzählung Geranien |
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"Mögen Sie Pflanzen?", sprach der Mann die Frau auf der Straße an. Sie zögerte. Auf seinen Balkon weisend sagte er: "Ich wohne dort, schräg gegenüber von Ihnen. Diese Geranien würde ich Ihnen gerne schenken." Es waren die üppigsten Geranien der Straße. Die Frau fragte: "Hat denn Ihre Frau nichts dagegen?" Der Mann schüttelte den Kopf und ging auf seine Haustür zu. Die Frau folgte ihm. Sie dachte an Statistiken von Straftätern. Der Mann führte sie in seine Wohnung. Alle Türen waren verschlossen. Der Flur wirkte auf die Frau unpersönlich sauber wie ein Foyer. Auf seinem Balkon fühlte sich die Frau besser. Unter den Geranien war ein Zettel geklebt, auf dem in ordentlicher Schrift stand: Bitte kümmere dich um die Geranien! "Ihre Frau hat wirklich nichts dagegen?", fragte die Frau erneut. Der Mann drückte ihr einen Topf in den Arm und sagte: "Nein. Im Gegenteil. Sie ist tot und ich habe kein Händchen für das Grünzeug." Die Frau stellte den Topf ab. "Sie ist tot? Letzte Woche habe ich noch mit ihr gesprochen." Bedächtig nickte er und meinte: "Vor vier Tagen habe ich auch noch mit ihr gesprochen. Über was sprach sie mit Ihnen?" Die Frau setzte sich auf die Bank und erzählte: "Wir warteten auf den Bus und Ihre Frau meinte, dass ihr Kater vor zwei Jahren verstorben wäre und sie über seinen Tod nicht hinwegkomme und dass es sich nicht mehr lohne, ein neues Tier anzuschaffen. Darf ich wissen, woran sie starb?" Der Mann gab der Frau erneut den Topf und meinte: "Kopfschuss! Ich hatte keine Ahnung, dass sie eine Schusswaffe besaß. Sie stand morgens auf, machte sich zurecht, goss ihre Geranien und - Peng. Am besten Sie nehmen den zweiten Topf auch. Ich trage ihn zu Ihnen rüber." Der Mann ergriff den zweiten Topf und ging los. Die Frau folgte ihm. Auf ihrem Balkon bedankte sie sich für die Geranien. "Nein, ich habe zu danken und natürlich auch meine Frau." Die Frau sah ihm nach, wie er die Straße überquerte. Oft hatte sie mit angehört, wie er seine Frau schikanierte. Er war der Schreck der Kinder und Hundebesitzer. Sie erinnerte sich daran, wie sie einst einen Schlüsselbund gefunden hatte. Sie hatte einen Finderzettel an der Laterne befestigt. Dieser Mann hatte ihn abgerissen und sie beschimpft, sie würde die Gegend besudeln. Nun wirkte er klein und schmal. Er tat ihr leid. Gedankenverloren blickte sie in die Geranienfülle als ein Schuss erscholl. |
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MAXIM KARES Drei kurze Texte Herr G. - Rendezvous - Anfang einer längeren Erzählung |
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Herr G.
Ich lege mir das Eisen an die Schläfe und blase meine Behauptung auf den Wohnungsboden; und lese aus den Fleischesstücken den Beweis heraus, der nun weich und warm an meinen Fingern klebt und schmiere ihn mir ins Gesicht, auf das Jeder die Unfehlbarkeit erkennt, mit der ich mich schmücke. Rendezvous Hundertzwanzig Ziffern stolperte er entlang, stotterte er sich von einer zur anderen; Hundertzwanzig und zwei Kaffee. Viereurozwanzig und dreißig Cent Trinkgeld, drei Meter bis zur Tür und die Frage, beantwortet mit einem "Vielleicht", gefolgt von einem Kuss, erwidert durch ein "Bis bald." Anfang einer längeren Erzählung Helen saß auf der Bettkante, ihr Gesicht in den Händen vergraben, starrte sie zwischen den Fingern hindurch zu Boden. Neben ihr, im Gewühl der Bettdecke, lag der Kleiderhaufen, den sie zuvor gewaschen und an der Wäscheleine aufgehängt, um die Kleider anschließend zusammenzulegen und in den Koffer zu packen, den sie dann wieder über dem Bett ausgeleert hatte und der jetzt zu ihren Füßen lag und wartete. Da kam sie nicht mehr raus. Sich ihre Unfähigkeit, den gefassten Entschluss in die Tat umzusetzen, eingestehend, erkannte sie die Notwendigkeit ihn zu verlassen nur umso deutlicher. Er hatte sie in die Abhängigkeit getrieben, die es ihr jetzt so schwer machte, in Freiheit leben zu wollen. Seit zwei Jahren lebte sie schon in B., seit einem halben Jahr ohne ihn und sie hielt es kaum noch aus. Er würde auf ihre Rückkehr warten, hatte er gesagt, zu Hause, er wolle wieder nach Hause. Gestern hatte sie einen Brief erhalten, in dem stand, er käme zurück, er vermisse sie zu sehr, doch wie konnte er? Wie konnte er ihr schreiben, er vermisste sie, wo er doch keine Ahnung hatte, wie sie sich quälte, wie sie sich nach ihm sehnte und wie ihr wegen ihm alles entglitt, seit er fortgegangen war. Sie hatte ihr Äußeres gleich ihrem Inneren verkommen lassen, ihre Freunde vernachlässigt und größtenteils verloren. Sie war kaum noch ausgegangen, hatte ihren Job, den Grund warum sie überhaupt nach B. gezogen war, an den Nagel gehängt, weil sie sich den Anforderungen nicht mehr gewachsen fühlte. Natürlich, sich Ablenkung zu verschaffen hatte sie versucht, ehemalige Liebhaber getroffen, es mit neuen probiert, aber keinen Gefallen mehr daran finden können, während er sich höchstwahrscheinlich prächtig amüsierte. Dabei war sie es, die den Seitensprung erdacht und eingeführt hatte - zur Abwechslung. Und jetzt kam es ihr so vor, als würde sie mit ihren eigenen Waffen geschlagen, waren die Liebhaber doch eigentlich eine Absicherung, falls sie ihn irgendwann nicht mehr zur Seite hätte, ein Mittel, um derlei Verlustängste von sich fernzuhalten und weiterhin tun und lassen zu können, worauf sie Lust hatte. Schlagartig war ihr klar geworden, dass diese Rechnung nicht aufgegangen war. Sie hatte ihre Freiheit verloren, sie musste sie wiederfinden, dort wo er sie niemals finden würde. Er hatte sie verloren, deshalb war er hier. Spurlos war sie verschwunden, keine Nachricht, oder sonstige Anhaltspunkte. Er hatte sich erkundigt wie es ihr ginge, wo sie zuletzt gesehen worden sei. Ein paar Orte, an denen er sie nicht ausfindig machen konnte, mehr hatte er nicht in Erfahrung bringen können. Dann erfuhr er, dass sie B. vor kurzem verlassen hatte und nahm den nächsten Zug. Die Kneipe lag im Souterrain, fünf Stufen führten zu der massiven Tür aus Eiche mit dem kleinen Bullauge auf Kopfhöhe, dass ihn nicht umhin kommen ließ, jedes Mal bevor er eintrat, einen Blick auf sein verzerrtes Spiegelbild zu werfen. Die Kneipe war herrenlos, selten besucht, und nie sah er eine Bedienung das zweite Mal. Das Inventar wechselte ständig, doch keiner schien die Kneipe einzurichten, eher wurde irgendwelches überflüssige Mobiliar regelmäßig dort hingebracht und wieder abgeholt. Es waren demnach die Tage, oder auch Wochen, in denen es auf dem verstaubten Dielenboden zwischengestellt wurde, auf denen er saß und aß, die zwei Monate, die er hier schon verbracht, in denen er gewartet hatte. Teils alte, teils gerade erst dazu gestellte Möbelstücke ließen sich hier entdecken, zusammengepfercht zwischen Tür und Theke. Eine stete Fülle an leeren Stühlen und Tischen bot sich ihm dar, die den Raum zu sprengen drohte. Passanten liefen geschäftig an den kleinen Fenstern in Bordsteinhöhe vorüber, durch die ein trüber Lichtschein auf die darunter liegenden einsamen Tische und Stühle fiel, in dem die Schatten der Außenwelt flackerten. In einer der Ecken, die ein wenig Platz dazu bot, richtete man gerade eine Bühne her, auf der ein Mikrofon und ein an die Wand gelehntes Instrument standen, welche sie überhaupt erst als solche zu erkennen gaben. Hinter den dichtgedrängten Möbeln schien sie eher zu versinken, anstatt sich zu erheben, und bei näherem Hinsehen war sie verstaubter Dielenboden. Er suchte sich einen Tisch ganz in der Nähe der Bühne und bestellte sich ein Bier. Anatol trank ab und stellte das Glas zu den zwei, drei anderen, bereits geleerten Gläsern, auf den kleinen, quadratischen, Holztisch, der ihm wegen der abgesplitterten hellblauen Farbe ins Auge gefallen war. Er erinnerte ihn an sein altes Kinderzimmer. Dort hatte ein solcher hellblauer Tisch gestanden, aber um einiges kleiner, ein Kindertisch, auf dem er seine vielen Spielfiguren platzieren und nach Belieben formieren konnte. Deren Bild vor Augen, starrte Anatol eine Weile vor sich hin, nippte an seinem Bier, bestellte noch eins, weil das andere abgestanden war. Als Kind hatte er viel Zeit an jenem Tisch verbracht, nur selten zog es ihn nach draußen. Zu sehr liebte er seine kleine Armee von Zinnsoldaten, die sich regelmäßig bekriegten, starben und zu neuem Leben erwachten. Tage, brachte er mit ihnen zu. Doch war er herangewachsen und die Eltern hatten ihm einen Schreibtisch gekauft. Die Zinnsoldaten verschwanden in einer Kiste, die, als die Schwester seiner Stiefmutter und deren Mann Nachwuchs bekamen, weitergereicht wurde, ebenso wie der kleine, von seinem Vater gezimmerte Stuhl, auf dem er zu sitzen pflegte, wenn er mit den Zinnsoldaten spielte. Die Wandposter aus Tierzeitschriften ersetzte er durch die Idole seiner Jugend und der Kassettenrekorder spielte keine Kinderlieder mehr, sondern Pop-Musik. Nichts blieb übrig. Als er von zu Hause aus - und mit ihr zusammengezogen war, richteten sich seine Eltern ein Arbeitszimmer ein. ... die dunklen Stellen über, unter und zwischen den hellblauen Farbfetzen, die wie unumkehrbare Überbleibsel umgekippter Teller und Aschenbecher, verschütteter Gläser und Erbrochenem - der Tisch war dreckig, war kein Kindertisch mehr. Erinnerte eher an einen Maler, an eine Reise. Sie interessierte sich sehr für Kirchenmalerei und hörte sich nächtelang die Anekdoten des Malers an. Er hatte versucht sich ebenfalls dafür zu begeistern, aber keinen Zugang dazu finden können. Die Gespräche wurden schnell langweilig und um die Zeit, bis er und sie ins Bett gehen würden, zu überbrücken, war er oft hinaus in die Dunkelheit spaziert. Den ganzen Sommer verbrachten sie bei dem Maler, der kaum eine Gegenleistung verlangte. Der Maler hatte beide ins Herz geschlossen, sie nur etwas mehr. Wie sollte es auch anders sein, schließlich war sie doch das bezaubernste Wesen, das er je unter diesem Himmel hatte erblicken dürfen. Wie hätte er da sauer sein können, dass auch der Maler seine Ansicht teilte. Die nächtlichen Spaziergänge verlängerten sich, oft hatte er sich erst in der Morgendämmerung wieder zurück ins Haus getraut. Schöne Dinge muss man teilen, sagte er sich damals, und wenn er so im Nachhinein darüber nachdachte, tat er gut daran, schließlich nahm, nachdem sie Italien wieder verlassen hatten, alles seinen gewohnten Gang. "Haben Sie von dem Unwetter gehört?", wiederholte der Mann am Nebentisch. "Welches Unwetter?", fragte Anatol zu sich kommend, sich wundernd, wie der Mann so plötzlich dort hingelangen konnte. "Ein Sturm zieht auf, bald soll er die Küste erreicht haben", sagte der Mann. Anatol fiel sein sorgenvolles Gesicht auf, die gerunzelte Stirn und die angeschwollenen Tränensäcke unter den eingefallenen Augen beunruhigten ihn. "Wie lange haben wir denn noch?", fragte er. "Weiß nicht, im Radio sagen sie, vielleicht noch ein oder zwei Stunden." |
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NEPOMUK ULLMANN Vier kurze Texte aus dem Band Schwarzer Flieder |
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ALLTAG
Der Traum zu sein ist kein Beweis. Für das Leben. Da mußt du schon das Wachsein bemühen. Der Tag. Der Brief. Der Abschied. Der Fernseher läuft. Beim Trödler gekauft und bezahlt. Dein Schoß ist immer noch heiß. Für niemand und jeden BESOFFEN Nebel bin ich, lautlos schwebt über mir dein Gesicht als Seidentuch aus Weizenblond. Meine Fahne, eine Schwalbe zu dir, zwischen blau und Schluck, Schatten dir auf der Brust. Unter mir singt mein Kuß und bringt dir ein Ständchen. STIMMUNG Heute am Abend gehen wir den Kanal entlang, lauschen den Gesprächen der Schwäne auf dem Wasser. Sterne und Mond setzen dir eine Krone ins Haupt, für Sekunden bist du Königin einer Landschaft. Mein Blick auf dich - wie in einen kommenden Tag gerichtet; Es winkt mir die Trauerweide zu, die am Ufer mit nassen Füßen steht. DIE ALTE Die Alte. Der Mann ist gestorben; er hatte sein Alter. Die letzten Jahre war er klein und hart geworden. Sie starrt ihn an, geht aus dem Zimmer, um es dem Geschirr zu sagen. KREUZBERGER WOHNKÜCHE In der Küche stehen schmutzige Teller und eine Tasse Tee. Neben dem kleinen Tisch stehen zersessene Hocker mit einem ranzigen Bezug. Die Fensterscheiben sind blind und der Rahmen blättert runzlig ab. Kochtöpfe sind am Kopf offen und schreien nach Nahrung. Die ganze Emaille ist am Verhungern. Sonst ist alles in Ordnung. Die alte Frau lächelt und nennt alle Möbel zerstreut beim Namen. Mit dem blauen Wischlappen streicht sie über den Gasherd, wie über das Haar eines Enkelkindes. Aus dem defekten Wasserhahn tropft die Zeit. Ein vergilbtes Photo am Küchenschrank ist der einzige Zeuge, wie die alte Frau die Schürze abnimmt und zusammenlegt, dann dreht sie den Kopf zur Seite. Erst am Abend fällt einem Nachbarn auf, daß kein Licht brennt. Alle anderen im Haus wollen nichts davon wissen. |
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SÖREN WITZEL Das Gedicht Das Letzte Poster |
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Es hängt allein, An der Wand, Schafft Einsamkeit in der Brust, Das letzte Poster Umringt von weißem Raufaser. Früher wusste man nichts, Nichts vom Raufaser. Alles voller Poster. Jugendidole grinsten dich an, Die Hälfte tot. Sie verschwanden, Stück für Stück, Einige fielen an einem Tag, Doch eines nicht, Es blieb, der Erinnerung zu dienen. Nur das Eine: wird noch selten gesehen. Ein paar Jahre noch, dann ist es weg, Ersetzt durch einen Picasso und der durch ein Foto. Dieses Poster hatte Kraft, Symbolik, Der Picasso dämpft, Zufriedenheit, Das Foto ebbt in - Gelassenheit. |
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ELENA TÜX Die Gedichte Werwolf - Herbstherz |
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Einem Werwolf gleich heule ich den Mond an. Ich bin nicht sicher, ob ich gerade Mensch bin - oder Tier! Meine Einsamkeit ist grenzenlos - menschliche Worte sind nicht dazu geschaffen, dieses Gefühl zum Ausdruck zu bringen. Mein Heulen durchdringt die Seelen der weinenden Häuser, die ohne meine Stimme friedlich im Mondschein schlummern würden. Das Grau der steinernen Wände wird dunkler. Die Wolken ziehen sich zusammen und verdecken die Sterne, um ihnen meinen qualvollen Anblick zu ersparen. Die Luft wird kälter, der Wind schneidender - er zerzaust mein Fell, und ich grabe meine Krallen fester in den herzlosen Asphalt der Straße. Einem Werwolf gleich heule ich den Mond an. Ich bin nicht sicher, ob ich gerade Tier bin - oder Mensch! Herbstherz Im Fenster meines Herzens spiegelt sich die Nacht. So bin ich gekleidet in ihre Dunkelfarben. Die Sonne vermag nicht vorzudringen in dieses Reich. Nebelgeister trinken mein Blut, färben meine Wangen grau und leer. Getrocknete Rosenblätter baden im Herbst meines Herzens. Meine Tränen erblühen als Melodie im Wind. Anfang und Ende tanzen ihren Reigen. Ich weiß von Wandel und Vergänglichkeit. Dennoch zittert mein Herz. |
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LUTZ WERNER KUNZE Die grellen Lichter der Großstadt |
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Es raschelt neben dem Bett. Verschlafen blinzle ich in die morgendliche Dämmerung. Was kann das
jetzt schon wieder sein?! Habe ich, ganz dem Ratterfänger ähnlich, ein paar Ratten mit nach
Hause genommen? Oder habe ich mir einen lange gehegten Wunsch erfüllt? Nämlich ein Eichhörnchen
als Haustier zu haben. Ich mag Eichhörnchen. Freudig erregt rufe ich, "Eichi! Eichi!", so würde
ich das Eichhörnchen nennen, unter das Bett. Es raschelt erneut. Ein kleines Männchen in einem
hautengen Latexanzug rollt unter dem Bett hervor. "Oh man! Weißt du, das du im Schlaf furzt?! Und wie das stinkt! Junge, was hast du bloß gegessen?" Schon klar. Ich träume anscheinend noch immer. Also Alkohol und Tabletten? Ich weiß nicht. Vielleicht sollte ich damit aufhören. Doch für den Moment ist es erstmal interessant. "Wer bist du?", frage ich nach. "Kann ich erstmal ein Fenster aufmachen? Wie hältst du das nur aus? Lass mich mal raten. Große Stadt. Viele Lichter. Kaputte Nase. Du bist ein Kokser! Stimmts?" "Was?! Wer bist du?" "Ja, ja. Eigentlich läuft der Auftritt auch anders. So mit gleißendem Licht und einer dröhnenden Stimme aus dem Off, herrlich intoniert mit kosmischen Rauschen. Dann verkünde ich, wer ich bin und was ich mache." "Ja sehr schön. Aber wer bist du nun?" "Diesmal konnte ich mich nicht vorstellen. Habe mich hier ins Zimmer transformiert und bin gleich in Ohnmacht gefallen. Mal ehrlich. Die Gerüche aus deinem Körper können doch nicht normal sein!" "WER BIST DU!?!" "Ach so. Ja. Entschuldigung. Ich bin Gesandter vom kosmischen Rat der Wünsche. Sie hatten vor einiger Zeit mal einen Wunsch an das Universum gestellt." "Wenn ich recht überlege, war das vor ungefähr vier Jahren...." "Ja Entschuldigung. Es ist ein Kreuz. Immer mehr Verwaltungsaufgaben. Immer weniger Leute. Dann werden Leute vom operativen Dienst abgezogen um Verwaltungsaufgaben zu erledigen. Die Mehrarbeit stemmt dann der verbliebene Rest im operativen Dienst. Das geht auf die Knochen. Der Krankenstand steigt. Es kommen immer neue Verwaltungsaufgaben dazu. Und irgendwann bin ich das letzte Arschloch was draußen rum rennt! Bin ja jetzt schon für ganz Deutschland zuständig! Die Säcke haben das bei einer hübschen Feier verkündet! So zwischen Buffet und Tanz!! Ganz toll! Leiter Abteilung Deutschland! Ganz toll! Schöner Titel! Heißt aber nur, das ich vierundzwanzig Stunden malochen kann! Eigentlich arbeite ich die ganze Zeit. Keine Ferien. Kein Tag frei. Keine Freunde. Sex?! Hah! Gelächter! Habe ich gar nicht die Zeit für. Hab ja nicht mal Zeit für ein gepflegtes Krank!" "Ja und das hat jetzt mit mir zu tun? Tschuldigung. Hatte noch keinen Kaffee." "Huh. Ja. Nee. Also. Vor vier Jahren haben sie einen Wunsch an das Universum mit folgendem Inhalt gestellt: Liebes Universum! Ich wünsche mir von dir, dass sich all die seltsamen Gedanken in meinem Kopf in kleinen Geschichten niederschreiben. Entspricht das den von Ihnen gemachten Angaben?" "Mag sein. Man soll ja vergessen was man sich gewünscht hat." "Ja stimmt. Das ist ein Problem. Kenn ich schon. Macht aber nüscht. Hier steht ihr Name auf der Liste. Wird schon stimmen. Sie werden nun von mir mittels kosmischer Energie dahingehend befähigt die seltsamen Gedanken in ihrem Kopf in kleinen Geschichten niederzuschreiben." "Prima. Doch ich habe die seltsamen Gedanken bereits auf Papier gebannt. Du kommst zu spät. So quasi vier Jahre." "Wie jetzt?! Sie wollen ihren Wunsch nicht mehr? Bin ich umsonst hier? Wissen Sie eigentlich wie voll das Archiv ist? Alles abgelehnte Wünsche! Der Raum platzt aus allen Nähten. Nehmen Sie doch Ihren Wunsch!" "Na gut. Wo muß ich unterschreiben?" "Schön! Hier und auf den folgenden fünf Seiten jeweils unten rechts." "Da kauf ich jetzt aber kein Klingeltonabo mit dazu?" "Was für Zeug?! Nee, nee. Alles in Ordnung. Hat schon seine Richtigkeit. So. Sehr schön. Ich muß dann mal weiter. In Bad Honnef hat sich jemand einen Ochsenschwanz und drei Eier gewünscht. Bin mal gespannt wie der reagiert, wenn ich fertig bin." Sprach das Männchen und verschwindet in dem von ihm gestreuten Glitzerregen. Die Sterne tanzen noch ein Weilchen vor meinen Augen. Mein Kopf tut irgendwie weh. Ich taste nach der vermeintlichen Beule am Hinterkopf. Mache dabei die Augen auf und blicke auf eine Wollmaus- und Sockenlandschaft. Habe ich wieder halb unter dem Bett geschlafen. Bin wieder aufgeschreckt und habe mir den Kopf am Bett gestoßen. Das passiert nach Kneipenausflügen schon mal. Aber war der Typ jetzt wirklich da? Auf dem Bett liegt Glitzerregen. |
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